Liebe Freunde, Bekannte und Geschäftspartner,
wer Verantwortung für andere Menschen übernimmt, kennt das Gefühl: Die Anforderungen steigen, die Aufgaben werden mehr und die Komplexität nimmt zu. Viele Führungskräfte reagieren darauf mit einem nachvollziehbaren Reflex. Sie erhöhen das Tempo.
Doch Komplexität lässt sich selten durch Geschwindigkeit beherrschen.
Als Musiker habe ich früh gelernt, dass Tempo und Rhythmus zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Ein schneller Schlagzeuger ist nicht automatisch ein guter Schlagzeuger. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, den Überblick zu behalten und dem Ganzen Struktur zu verleihen.
Genau das ist auch die Aufgabe von Führung.
Erfolg ist letztlich immer das kreative Zusammenspiel von Menschen. Wo dieses Zusammenspiel gelingt, entstehen Motivation, Orientierung und Leistungsfähigkeit. Wo es misslingt, entstehen Missverständnisse, Reibungsverluste und Konflikte.
Gerade unter Druck zeigt sich deshalb die eigentliche Qualität von Führung. Wer nur noch reagiert, verliert irgendwann den Blick für die Zusammenhänge. Wer hingegen analysiert, priorisiert und differenziert, behält seine Gestaltungskraft.
In meinen Beratungen stelle ich immer wieder fest, dass die meisten Probleme nicht dadurch entstehen, dass Menschen zu wenig arbeiten. Oft arbeiten sie sogar zu viel. Das eigentliche Problem besteht darin, dass sie sich kaum noch Zeit nehmen, über ihre Entscheidungen, Prioritäten und Handlungsoptionen nachzudenken.
Die Fähigkeit zur Differenzierung gehört deshalb zu den wichtigsten Kompetenzen einer Führungskraft. Was ist heute wirklich wichtig? Welche Entscheidung hat die größte Wirkung? Und welche Themen erzeugen lediglich Aktivität, ohne tatsächlich etwas zu verändern?
Je höher die Verantwortung eines Menschen ist, desto seltener erhält er ungefiltertes Feedback. Viele Unternehmer und Führungskräfte tragen ihre Gedanken über lange Zeit mit sich alleine herum. Genau deshalb kann es hilfreich sein, die eigene Situation gelegentlich mit etwas Abstand zu betrachten.
Nicht weil andere Menschen klüger wären, sondern weil sie nicht emotional in die Situation eingebunden sind und dadurch Zusammenhänge erkennen können, die dem Betroffenen selbst verborgen bleiben.
Druck wird es immer geben. Verantwortung ebenfalls.
Entscheidend ist deshalb nicht, das Tempo immer weiter zu erhöhen, sondern die eigene Klarheit zu bewahren. Denn aus Klarheit entstehen Orientierung, gute Entscheidungen und letztlich die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Herzlichst,
Ihr Stefan Schütz