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Eine neue Normalität?

02 Nov 2020, Geschrieben von Stefan Schütz in Aktuelles

Die Öffentlichkeit kennt seit März fast nur noch ein einziges Thema: Corona. Das Thema ist allgegenwärtig und prägt unseren Alltag immens. Meine Familie und ich haben nicht nur privat, sondern auch beruflich unter den Entscheidungen der Verantwortungsträger negative Konsequenzen zu tragen, denn über ein halbes Jahr lang konnten keinerlei Seminare stattfinden. Seit Jahren führe ich diese mit großer Passion und hoher Expertise für Führungskräfte im Unternehmenskontext durch.

Viele Parameter gemeinsam ließen die Coronakrise entstehen. Es handelt sich dabei u. a. um sich selbst verstärkende Kommunikationsprozesse. Diese sind von den medizinischen Tatsachen völlig unabhängig und produzieren ständig neue Rückkopplungseffekte.

Ein Phänomen, das während der Pandemie mit großer Durchschlagskraft zum Tragen kommt, nennt sich „Selektive Wahrnehmung“, in diesem Fall betrifft es die meisten Bereiche unserer Gesellschaft. Das Handeln wird durch Angst bestimmt, und Angst ist (meistens) kein guter Ratgeber. Mittlerweile haben sich viele seriöse Stimmen Gehör verschafft, die einem angstgetrieben Kurs widersprechen und die einen anderen Umgang in unserem Alltag mit den Viren und der Krankheit fordern.

In meiner Beratung treffe ich immer wieder auf das Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Wenn ein Mensch seine Umwelt nur selektiv, d. h. nur unter einem einzigen Gesichtspunkt betrachtet, dann verzerrt er die Wirklichkeit und ist nicht mehr in der Lage, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen. Die Psychologie hat uns dieses Phänomen schon vor Jahrzehnten deutlich gemacht und hat uns Strategien aufgezeigt, mit denen wir selektive Wahrnehmung verhindern, zumindest minimieren können. Zur Zeit werden jedoch diese Strategien im gesellschaftlichen Kontext leider nicht angewandt. So bleibt unserer Gesellschaft, die unter solch einer Massenpsychose leidet, nichts anderes übrig, als auf Rettung durch einen Impfstoff zu warten, so wie es unsere Entscheidungssträger schon im März verlauten ließen: „Die Pandemie ist erst dann vorbei, wenn der Impfstoff zur Verfügung steht!“

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, wie eine selektive Wahrnehmung aufgelöst werden könnte: Mithilfe neuer Informationen, basierend auf Erkenntnis, Wissen und auf davon abgeleitetem Handeln. Wenn die Evidenzen (empirische Nachweise für einen Sachverhalt) überwiegen und die relevanten Medien diese Erkenntnisse aufnehmen und seriös dokumentieren würden, dann könnte die Gesellschaft wieder einen neutralen Blick auf die Ereignisse werfen und es könnten die verschiedenen Handlungsoptionen ernsthaft diskutiert werden.

Eine neue Normalität sollte also nicht bedeuten, dass wir die selektive Wahrnehmung immer weiter nähren. Wir brauchen einen klaren Blick auf unser Leben und auf unsere Lebensrisiken – nicht von Angst und Panik angetrieben, sondern basierend auf Evidenz und einer realistischen Einschätzung. Diese Möglichkeit haben wir der Aufklärung zu verdanken – die Basis der Moderne.

Der Schlüssel zur Klarheit einer Situation sind die Gedanken, die Menschen im Hinblick auf diese gegenwärtige Situation haben. Gedanken prägen Gefühle. Wenn ich mit Menschen in hoher Verantwortung arbeite, dann ist ein zentraler Aspekt ihre Gefühlsautonomie. Das meint nicht Gefühlsarmut, sondern es bedeutet: Ich darf mir meine Gefühle in jeder Situation selbst aussuchen. Dies ist eines der wichtigsten Tools, das ich gemeinsam mit meinen Klienten entwickle.

Einer der führenden Medizin-Wissenschaftler der westlichen Welt, John Ioannidis (Professor für Medizin, Epidemiologie und öffentliche Gesundheit, für biomedizinische Wissenschaft und Statistik an der Stanford University sowie Co-Direktor des Stanford Meta-Research Innovation Center) hat in Bezug auf die Corona-Pandemie schon viele klare Aussagen gemacht – eine Zitat von ihm möchte ich hier wiedergeben: „The current coronavirus disease, Covid-19, has been called a once-in-a-century pandemic. But it may also be a once-in-a-century evidence fiasco.“

Ich wünsche Ihnen viele kreative und vor allem angstfreie Gedanken.

Stefan Schütz
Systemischer Coach
Systemischer Business-Coach (SHB)